SUCHE:

Aktuell

RVR hat Verwaltung der Stiftung Kulturhauptstadt RUHR.2010 übernommen / MEHR

Stiftung: Ergänzung der Kriterien zur Förderung / MEHR

Bekanntmachung der Kriterien zur Förderung / MEHR

<<Juni 2021>>
MoDiMiDoFrSaSo
 010203040506
07080910111213
14151617181920
21222324252627
282930    
Label: "Wir sind die Wiege der Kultur"

chronik

1926 1. Juli: Hans Werner Henze geboren als ältestes von sechs Kindern des Volksschullehrers und Musikers Franz Henze und seiner Frau, der Büro- und Verlagsangestellten Margarete Adele Henze geb. Geldmacher in Gütersloh (Ostwestfalen). Großvater mütterlicherseits: Karl Geldmacher (Bergwerksarbeiter).
25. Juni: Ingeborg Bachmann in Klagenfurt geboren.
13. August: Fidel Castro auf Kuba geboren.

1928 22. August: Karlheinz Stockhausen geboren.

1931 Erster Klavierunterricht, 1936 wieder aufgenommen.

1935 27. November: Helmut Lachenmann geboren.

1937 Franz Henze tritt der NSDAP bei.

1938 Frühe Kompositionsversuche für ein kleines Kammermusik-Trio aus Mitschülern.Beitritt HWHs zur Flieger-HJ.

1942 Nachdem die Familie erst nach Bielefeld (1928), dann nach Dünne (1935) umgezogen ist, siedelt sie jetzt nach Senne II um, einem Dorf bei Bielefeld.
HWH besucht die Bielefelder Oberrealschule. Er wird nicht versetzt. Nach Schulabbruch und nachdrücklicher Ermutigung durch seinen Musiklehrer nimmt er ein Studium an der Staatsmusikschule Braunschweig auf: in den Disziplinen Klavier, Schlagzeug und Theorie/Harmonielehre.

1944 17. Februar: Fausto Ubaldo Moroni geboren.

1944/45 Militärdienst ("Reichsarbeitsdienst"), Panzer-Funker bei der Wehrmacht, Mitwirkung an "Lehrfilmen", britische Kriegsgefangenschaft.

1945 August: Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, vorübergehende Rückkehr in die inzwischen vaterlose Familie (Franz Henze war nicht von der Front heimgekehrt). Zwischenzeitlich Transportarbeiter, Hilfsdolmetscher, Pianist in Militärkasinos. Korrepetitor am Stadttheater Bielefeld.

1946 Beginn seiner Studien bei Wolfgang Fortner am Kirchenmusikalischen Institut Heidelberg. Klavierunterricht bei Frieda Kwast-Hodapp. Schließt einen jahrzehntelang währenden Vertrag mit dem Mainzer Schott-Verlag und dessen Leiter Willy Strecker ab.

1946/52 Nimmt mehrere Sommer lang in Folge an den Darmstädter Ferienkursen teil.

1947 Im Hause Fortners begegnet er Alexander Mitscherlich, Hans Mayer und Ricarda Huch. Macht die Bekanntschaft von Heinrich Strobel und der Familie Ponnelle.

1948 März: Abschluss des Studiums, Umzug nach Göttingen.
Freundschaft mit Karl Amadeus Hartmann.

1948/49 Beschäftigt sich unter der Anleitung von René Leibowitz mit der
Zwölftontechnik.

1949 Musikalischer Mitarbeiter von Heinz Hilpert am Theater Konstanz.

1950 Freundschaft mit Paul Dessau. Trifft Bertolt Brecht. Künstlerischer Leiter und Ballett-Dirigent am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

1951 Erhält den Robert-Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf.
Italienreise mit Walter Jokisch und Grete Weil: Chiasso, Genua, Pisa, Rom, Neapel.

1952 Sommer: Umzug nach München. Herbst: Begegnet Ingeborg Bachmann auf einer Tagung der „Gruppe 47“ auf Burg Berlepsch bei Göttingen.

1953 Mai/Juni: Verlässt Deutschland und wandert nach Italien aus. Lässt sich in Forio d’Ischia nieder und lebt dort in Nachbarschaft und Freundschaft mit William Walton und Wystan Hugh Auden. Von August bis Oktober lebt Bachmann bei HWH im Inselrefugium – beide in separaten Wohnstätten.
Premio RAI (Teil des Grand Prix Italia; Palermo) für "Ein Landarzt".

1954 März/April: Tumulte anlässlich der italienischen Erstaufführungen von "Boulevard Solitude" in Neapel und vor allem in Rom. Solidarische Ermutigung durch Strawinsky.

1955 Umzug von Ischia nach Neapel. Wohnt zuvor noch eine Zeitlang bei den Waltons, gemeinsam mit dem Ehepaar Luigi Nono und Nuria Nono-Schönberg.

1956 Begegnet Visconti. Juli: In der Bundesrepublik wird das Gesetz zur
Wiederbewaffnung verabschiedet.

1957 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalens.
Bei der Uraufführung von "Nachtstücke und Arien" (Donaueschingen) kommt es zum Affront durch die Avantgarde-Trias Stockhausen–Boulez–Nono.

1959 Ihm wird der Große Kunstpreis von Berlin zuerkannt.

1960 6. Juli: Der Spiegel widmet Henze eine ausführliche Titelgeschichte
(Headline: "Kleist-Vertoner Henze"). Umzug nach Rom.

1960-1968 Ordentliches Mitglied der Westberliner Akademie der Künste.
Ständiger Gastdirigent der Berliner Philharmoniker.

1961 Umzug nach Castel Gandolfo in die Nähe des Albaner Sees.
Ihm wird in Hannover der Niedersächsische Kunstpreis zuerkannt.

1962-1967 Hält Meisterklassen für Komposition am Mozarteum Salzburg ab.

1963 Bereist erstmals die USA. Lernt dort Aaron Copland kennen.
In Paris und Boulogne: Trifft Jean Cocteau, Édouard Dermit und Francis Poulenc.
5. Dezember: Tod Karl Amadeus Hartmanns.

1964 Begegnet Fausto Moroni in einem Antiquariat in Rom, in der Via Borgognona.
Herbst
: Bachmann erhält den Büchnerpreis. Veröffentlicht seine erste Sammlung von Essays.

1964/65 Zeitgleich mit Ingeborg Bachmann und Auden als Stipendiat in Berlin.

1965 Beteiligt sich aktiv für die SPD am Bundestagswahlkampf.
Frühjahr: Aufenthalt in New York. Trifft Ernst Bloch.

September: Hält in Bayreuth eine Wahl(kampf)-Rede für Willy Brandt und
korrespondiert bezüglich koordinierter SPD-Unterstützung mit Günter Grass.
Bereist Marokko (Agadir, Marrakesch) und Madrid.

1966 Herbst: Japan-Reise (Tokio, Nagoya, Kyoto). Aufenthalt in Hongkong.
Oktober: Dirigiert eigene Werke mit der Staatskapelle in Dresden.
Umzug nach Marino, wo er noch heute lebt.

1967 Engagiert sich für die Freilassung Isang Yuns aus Korea. Nimmt den
beginnenden Widerstand gegen den Vietnam-Krieg und die Unruhen in den
amerikanischen Großstädten wahr. Liest Ernesto „Che“ Guevaras Schriften und Tagebücher. Herbst: in Berlin. Lernt im Friedenauer Hause Hans Magnus
Enzensbergers engagierte deutsche Vorkämpfer der künftigen 1968er-Bewegung und führende Köpfe der Außerparlamentarischen Opposition kennen: Günter Amendt, Gastón Salvatore, die Dutschkes.
9. Oktober: "Che" Guevara in Bolivien gefangengenommen und getötet.

1967/68 Nimmt an Aktivitäten und Kundgebungen der studentischen Protestbewegung teil, wirkt beim Vietnam-Kongress (Februar 1968) und beim SDS mit.

1968 11. April: Attentat auf Rudi Dutschke in Berlin. HWH setzt sich in Berlin beim SFB für die APO ein. Nimmt den nur langsam genesenden Dutschke für mehrere Rekonvaleszenz-Monate bei sich in Marino auf. Belagerung seines Anwesens durch Medien und Paparazzi. Tritt gemeinsam mit Paul Dessau aus der Westberliner Akademie der Künste aus.

1969/70 Aufenthalte auf Kuba (La Havanna).

1971 Unterschreibt mit vielen anderen linksgerichteten Prominenten Europas eine telegrafische Bittschrift an die kubanische Staatsführung, die dort zunehmende Intellektuellenhatz einzustellen (Auslöser: Anklage gegen Heberto Padilla wegen "Staatsverrats").
6. April: Tod Strawinskys. Ehrendoktorwürde der Universität Edinburgh.

1972 Ruft zur Wahl der DKP auf und tritt ihr bei. Herbst: Lernt Edward Bond
in London kennen.

1973 August: Teilnahme an den Ostberliner Jugendfestspielen an der Seite von Nono, Hochhuth, Peter Weiss und Heiner Müller. 29. September: Tod W. H. Audens.
17. Oktober: Tod Ingeborg Bachmanns in Rom nach einem Brandunfall in ihrer Wohnung (26. September). HWH erstattet gemeinsam mit Moroni und Pierre Evrard Anzeige gegen Unbekannt wegen Mordes.

1975 Wird zum Ehrenmitglied der Londoner Royal Academy of Music ernannt.

1976 Neujahrstag: Tod seiner Mutter. Reisen nach Bonn und Stuttgart, wo er zwischen Proben und Aufführungen von Dutschke und Sinopoli besucht wird. Gründet und leitet in Montepulciano den "Cantiere Internazionale d’Arte"
(1. Edition: 28. Juli – 8. August).
Herbst: Wird Mitglied der PCI, der kommunistischen Partei Italiens. Reise in verschiedene deutsche Städte.

1978 Zum Jahreswechsel in London. Herzattacke am Neujahrsabend.
Preis der Deutschen Schallplattenkritik für "Tristan".

1979 Mai: Lernt in Berlin Hans-Ulrich Treichel kennen. Schreibt Musik für
Herbert Marcuses Trauerfeier in Kalifornien. Heiligabend: Tod Dutschkes.
Start der fünfbändigen, von HWH edierten Buch-Reihe "Neue Aspekte
der musikalischen Ästhetik".

1980 Interview/Essay "Die Schwierigkeit, ein bundesdeutscher Komponist zu sein".

1980-1991 Professur für Komposition an der Staatlichen Kölner Musikhochschule.

1981-1983 Gründet und leitet die Mürztaler Musikwerkstätten in
Mürzzuschlag/Steiermark.

1982 Wird zum Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin und der/des American Academy and Institute of Arts and Letters zu New York ernannt.
Freundschaft mit Michael Kerstan.

1983 Composer in residence in Tanglewood/Massachusetts (Berkshire Music Center; Juli) sowie in Aptos/Kalifornien bei Santa Cruz (Cabrillo Music Festival).

1984 Veröffentlicht eine umfangreiche Essay-Sammlung mit dem programmatischen Titel "Musik und Politik".

1984 -1986 Gründet das Jugendmusikfest in Deutschlandsberg und übernimmt dessen künstlerische Leitung.

1985 Oktober: Betreut die zweiaktige Kollektiv- und "Kommunal"-Oper "Robert der Teufel" in Deutschlandsberg im Rahmen des "steirischen herbstes"; das Libretto stammt von Elfriede Jelinek. Eine der Co-Komponist(inn)en ist Olga Neuwirth.

1986 Sommer: Beim Henze-Festival in Frankfurt (Alte Oper) und beim Henze-Festival in Turin. Reise in die eigene Vergangenheit: Besuch in Gütersloh. Dort auch Henze-Festival im September. Überwacht in Köln den Fortgang der Kompositionsarbeiten seiner Studenten an der Alsfelder Kommunaloper "Die Regentrude". Einer der Co-Komponisten ist Detlev Glanert.

1988 -1996 Gründet die Münchener Opern-Biennale (Internationales Festival für Neues Musiktheater) und übernimmt deren künstlerische Leitung.

1990 Wird mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis und mit dem "Apollo d’Oro" in Bilbao ausgezeichnet.
8. Mai: Tod Luigi Nonos.

1990-er Jahre Nimmt gemeinsam mit Fausto eine Kleinfamilie von albanischen Bootsflüchtlingen bei sich auf. Die Kinder Aurora und Aurelian erhalten auf Initiative Henzes und Moronis italienische Nationalität. Adoptiert Fausto Moroni.

1991 Zwei umfangreiche Henze-Festivals in London (BBC at the Barbican; Januar & London Sinfonietta, Queen Elizabeth Hall, November/Dezember).
Composer in residence der Berliner Philharmoniker. 26. Juni 1991: Erhält das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (überreicht wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag von Bundespräsident Richard von Weizsäcker in der Villa Massimo, Rom).

1993 September: Hält Vorlesungen an der Zürcher Universität. Henze-Zyklus an verschiedenen Zürcher Spielorten.

1995 Ihm wird der Westfälische Musikpreis zuerkannt (von 2001 an wird diese Auszeichnung nach ihm umbenannt: in Hans-Werner-Henze Musikpreis).

1996 Gibt die künstlerische Leitung der Münchener Opern-Biennale an seinen Nachfolger, den Dirigenten, Komponisten und Hochschullehrer Peter Ruzicka ab. Veröffentlicht seine Memoiren als "Autobiographische Mitteilungen" unter dem Titel "Reiselieder mit böhmischen Quinten".

1997 Leitet in Rendsburg das Projekt "Komponieren in der Schule" im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

1998 Wird mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

2000 Wird in Tokio mit dem prestigereichen, hoch dotierten "Praemium Imperiale" ausgezeichnet.

2001 Wird in Cannes mit dem Classic Award als "Best Living Composer" ausgezeichnet. Erhält den Deutschen Tanzpreis. HWHs Werke werden inzwischen vom Londoner Chester Verlag publiziert.

2003 Wird in Paris zum "Chevalier de la Légion d’honneur" ernannt.

2004 Mai: Erste Begegnung mit Christian Lehnert in Berlin.

2005 Herbst: Erleidet im Anschluss an eine Kur in Bayern einen
schweren Schwächeanfall.

2006 Der von Henze ins Leben gerufene Cantiere in Montepulciano jährt sich zum dreißigsten, das von ihm angestoßene Jugendmusikfest in Deutschlandsberg zum zwanzigsten und die von ihm initiierte Münchener Biennale zum achtzehnten Mal.

2007 14. April: Tod Fausto Moronis.
5. Dezember: Tod Karlheinz Stockhausens.

2008 Wird mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
mit Stern dekoriert.

2009 Februar: Debatte um Henzes vorgebliche NSDAP-Mitgliedschaft, ausgelöst durch einen Bericht in der Zürcher "Weltwoche".

2010 Die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 widmet Henze eine Werkschau.

Aus:
Jens Rosteck, Hans Werner Henze. Die Biografie, Propyläen Verlag, Berlin,
2009 (gekürzt)