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Der Europäische Stadtbrief

Die beteiligten Städte werden allerdings nicht nur ihre eigenen Projekte umsetzen. Es gibt auch ein gemeinsames Vorhaben, zu dem alle ihren individuellen Teil beisteuern.

Für dieses verbindende Element bildet ein historischer Privilegienbrief der Stadt Karlsruhe aus dem Jahre 1715 die Grundlage. Durch alle Partner wird dieser zu einem Europäischen Stadtbrief aus heutiger Sicht weitergeschrieben.

Themen, mit denen sich die "National Heroes - Deutschen Kulturstädte" hierbei auseinandersetzen können, sind unter anderem: die Umsetzung der Freiheitsrechte, das Miteinander der Religionen, die Gestaltung des öffentlichen Raumes, die Umnutzung von Industriegeländen und anderen leerstehenden Gebäuden, die Herstellung sozialer Gerechtigkeit, die Schaffung einer demokratischen, auf Bürgerengagement basierenden Zivilgesellschaft oder die Ausbildung einer europäischen Identität.

Die Städte sollen in diese Auseinandersetzung auch ihre existierenden Probleme und Widersprüche einbeziehen. Es soll die Frage erörtert werden, welche Bedeutung Kunst und Kultur, die bereits Wachstumsfaktoren darstellen, für die Zukunft der Städte besitzen. Da Städte ältere Wurzeln und Traditionen als Nationen haben, soll auch die Bedeutung der Vergangenheit Beachtung finden und herausgearbeitet werden. Am Ende sollen Fragen und Thesen stehen, die auf die kulturelle Verantwortung der Städte für Europa hinweisen.

Der Europäische Stadtbrief wandert von Kulturstadt zu Kulturstadt, wird dabei ergänzt und Ende 2010 an Karlsruhe überreicht, wo er bis 2015 fortgeschrieben wird.


Der Privilegienbrief von 1715

Kurzer Begriff aller derer Freyheiten, Privilegien und sonderbahrer Begnadigungen wormit der Durchleuchtigste Fürst und Herr, Herr Carl, Marggraff zu Baden und Hochberg, Landgraff zu Sausenberg, Graff zu Sponheim und Eberstein, Herr zu Rötelen, Badenweiler, Lahr und Mahlberg etc. der Röm. Kayserl. und Königl. Cathol. Mayest. wie auch des Löbl. Schwäbischen
Crayses bestellter respective General-Feld-Marschall und General-Feld-Zeugmeister, auch Obrister über ein Kayserl. Regiment zu Fuß etc. die Jenige, welche hinkünfftig bey und neben Dero Neu-Erbauenden Lust-Hauß Carols-Ruhe mit Anbauung neuer Behausungen etc. Sich niederlassen werden, anzusehen gedenket. Gedruckt zu Durlach, durch Theodor Hechten. Gleich wie des Regierenden Herrn Marggravens zu Baden und Hochberg etc. etc. Hoch- Fürstl. Durchl. sich gnädigst entschlossen, ohngefähr einer Stunden weit von Dero Residenz-Statt Durlach ein neues Lust-Hauß anlegen zu lassen, selbigem auch, nicht nur einen ansehnlichen Anfang- sondern auch zugleich den Nahmen Carols-Ruhe der Ursachen gegeben haben, weilen sie die nunmehro durch Gottes Gnade verliehene Friedenszeiten daselbsten zur Erleichterung Dero schweren Regierungs-Lastes in etwas einsamer Ruhe zu geniessen sich vorgenommen, dennoch aber, um die Annehmlichkeit der Situation durch die Leutseeligkeit zu vermehren, zerschiedene nutz- und ehrbare Gewerbe, Manufacturen, und Handtierungen allda einzuführen gedenken; also haben auh höchst-gedacht Se. Hochfürstl. Durchl. einen kurtzen Begriff aller Freyheiten, Privilegien und besonderer Begnadigungen, so wie den Jenigen, die bey und um gedachtes Carols-Ruhe, sich niederzulassen- und mit Erbauung neuer Häußern vest zu setzen, Lust haben, oder bekommen, gnädigst gönnen, und verleyhen werden etc. in öffentlichen Truck kommen- und sowohl in- als ausser des  Landes zu männiglichs Wissenschaft bringen zu lassen, gnädigst befohlen. Und zwar

I. Solle von dieser Anbauung und Genuß solcher Freyheiten, der Religion  halber niemand ausgeschloßen- sondern alle und jede, welche einer aus denen im Heil. Röm. Reich recipirten Religionen zugewandt seynd, gelitten, und in ihrem Handel und Wandel guter Vorschub gethan werden. Und damit

II. Dergleichen Neuanbauende desto mehrere Ruhe und Vergnügen haben mögen, so wollen Se. Hochfürstl. Durchl. Selbige mit einem eigenen Untergericht versehen lassen, und wegen der etwa zu erörtern seyenden Zwistigkeiten der Jurisdiction Dero Ober-Ambts Durlach in prima Instantia, untergeben, und ernstlich darob halten, daß ein jeder einer ohnverzöger- und ohnpartheylichen Justitz sich zu erfreuen habe. Weilen auch
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III. An Bequemlichkeit der Wohnstätte nicht wenig gelegen, so werden Se. Hochfürstl. Durchl. einem jeden neu-ankommenden Innwohner einen rklecklichen Wohn-Platz nach Beschaffenheit seiner Profession, Stand und Famille, nicht weniger, wo es nöthig, zum Hoff, Scheuren, Stallung und  Garten, ohnentgeltlich auszeichnen und einräumen lassen, auch

IV. Das benöthigte Bau-Holz und Sand ebenfalls gratis erlauben. So viel aber

V. Das Brechen und Beyführen der Steinen, deren bey und um Durlach genug zu bekommen, belanget, so wird solches der Neu-anbauende wegen geringer hierauff zu wenden habenden Kostens vor sich, und aus seinen Mitteln zu besorgen haben; Wie dann eben der Ursachen halben

VI. Se. Hochfürstl. Durchl. die gnädigste Erlaubnus daselbst sich einzubauen, keinem, er seye dann mit sattsamen Mitteln versehen, ertheilen, Sonsten aber, und

VII. Zu mehrerer Zierde, und Gleichheit des Orths, ein durchgehendes Modell, wornach sich die neue Innwohnere in ihren auffzurichten gedenkenden Gebäuden zu reguliren haben, ihnen vorstellen, darbey aber

VIII. Einem Jeden die Freyheit lassen, die zu seinem Bauwesen nöthige Handwerks-Leuthe, wo er will, und bey welchen er am gelindesten gehalten zu werden glaubet, zu erwehlen. So ertheilen auch Höchst-gedachte Se. Hochfürstl. Durchl.

IX. Allen künfftigen Innwohnern zu Carols-Ruhe, und damit selbstige derer durch das Bauwesen auffgewandter Kosten halben sich desto besser wider erholen, auch in Handel und Wandel um so merklichere Erleichterung spühren mögen, eine Zwantzig Jährige, und gäntzliche Exemption von allen Einquartierungen, Collecten auch all andern ordinariis und extraordinariis, realibus er personalibus oneribus et Exactionibus, unter was Namen oder Praetext sie erfordert werden könnten oder wollten, also und dergestalten, daß wann auch

X. Ein oder der ander vor völligem Außgang besagter Zwantzig Frey-Jahre erstürbe, die annoch übrige Zeit nichts desto weniger seinen verlassenden Kindern und Erben nützlich fortlauffen, und also sie dieser Exemption bis zum Ende der Zwantzig Jahren sich zu prävaliren haben sollen, welche Exemption Se. Hochfürstl. Durchl. auch

XI. In so ferne extendiren, daß sie Neu-ankommende ihrer mit sich bringender Mobilien, Kaufmanns und anderer Waaren halber von allen Zöllen, Aufflagen und Imposten befreyet seyn. Was aber

XII. Den in Handel und Wandel, und der Commercien, so wohl als der Consumptibilien halben zu Carols-Ruhe schuldigen Pfundzoll belanget, wollen Se. Hochfürstl. Drl. sie neue Innwohnere davon, wie oben am IX. und X. Punckten gedacht, auff zwantzig
Jahr dessen vollkommen befreyen, und noch ferners gnädigst erlauben, daß sie
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XIII. Ihre Negotation nicht allein in Carols-Ruhe treiben - sondern mit ihren Waaren und Manufacturen in Durlach, Mühlburg, und sonst in andern dero Fürstenthumen und Landen feyl haben, und darmit ohngehindert handeln, auch in solchen Orten ein mehrers nicht bezahlen dörffen, als von Ihro Hochfürstl. Durchl. andern Innwohnern und Unterthanen deßfalls prästirt wird, und werden Se. Hochfürstl. Durchl.

XIV. Es dahin gnädigst ordnen und einrichten lassen, daß in Erhandlung aller Eß- und anderer zu Fournierung Dero Fürstl. Hofstaat erforderlicher Waaren, so viel deren jedesmahl zu Carols-Ruhe zu finden, Sie neue Innwohnere daselbst allen andern in Stätten wohnenden Handelsleuthen vorgezogen werden; darmit auch

XV. Sie neue Ankömmlinge in ihren Commercien und Handthierungen desto ruhiger seyn mögen, so wollen Ih. Hochfürstl. Durchl. ihnen und derer Erben und Nachkommen eine ewige Befreyung von der Leibeigenschaft, auch allen sonst schuldigen Personal-Diensten, als Frohnen, Hagen, Jagen, und dergleichen ertheilen. Falls auch

XVI. Ein oder der andere aus rechtmäßigen Ursachen oder seiner besseren Convenienz halben inner denen Zwantzig Frey-Jahren sein domicilium zu verändern gedenken würde, soll ihme nicht allein sein daselbst erbauetes Hauß und Zugehörde mit Abzug des ihme darzu gratis gegebenen Platzes, Bauholtzes, Sand und dergleichen, zu verkauffen allerdingen erlaubt, und gegönnt seyn. Wie auch

XVII. Mehr höchst-gedachte Ihro Hochfürstl. Durchl. obgedacht denen künfftigen Innwohnern
zu Carols-Ruhe zu erweisen gedenkende besondere Begnadigungen etc. weder
in obige Zahl noch die specificirte Zwantzig Jahr einzuschliessen gemeint
seynd, also werden auch die künfftige Innwohnere zu Carols-Ruhe nach verstrichenen
Zwantzig Frey-Jahren aller Fürstl. Hulde und Milde sich zu versichern, und keiner
übermachten Aufflagen oder andern harten Beyziehung sich zu beschwehren,
sondern vielmehr aller Fürstl. Gelindigkeit in der That zu erfreuen haben. In dessen
Conformität

XVIII. Se. Hochfürstl. Durchl. diß also unter Dero Fürstl. wahren Worten versprechende
Freyheiten, Privilegia, Immunitaeten und Exemtionen vor das Künfftige vielmehr zu
mehren, und auff mehrere Jahre zu extendiren, als zu mindern, oder zu beschrenken,
Dero angestammten Clemenz nach bedacht seyn und die zur Aufnahm, Zierde,
Bequemlichkeit, Lust und Nutzbarkeit des Orts Carols-Ruhe, oder auch zu der
Innwohner bessern Vortheil dienende Vorschläge von einem jeden anhören und
selbige ins Werk zu richten mit aller Application helffen werden. Wie Sie dann
mehrgedachte zu Carols-Ruhe sich künfftig Häußlich niederlassende Bürger sammt
deren Familien insgemein und jeden insonderheit in Dero besondern Gnaden-
Schutz auffnehmen, und darin beständig zu erhalten, auch bey diesen, und künfftig
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mehr ertheilenden Privilegiis und Beneficiis kräfftigst handhaben zu wollen, ingleichem wieder alle beschwehrende Hindernüssen, Anfecht- und Bekränkungen durch Dero Fürstl. Macht und Authorität zu beschützen gnädigst und verbindlich versichern, es auch dahin einzurichten keines weges ermanglen, daß Ihnen Bürgerlichen Innwohnern zu Carols-Ruhe von Männiglichen mit all-freundlich- und geneigtem Willen, Vorschub, Hülff, und allem Guten begegnet, und zu handen gestanden werde. Dessen zu Urkund haben Ihro Hoch-Fürstl. Durchl. dieses mit eigenhändiger Unterschrifft und  beigedrucktem Insiegel bestättiget.

Carolsburg den 24. September Anno 1715.
Carl M. z. B.