Aktuell

RVR hat Verwaltung der Stiftung Kulturhauptstadt RUHR.2010 übernommen / MEHR

Stiftung: Ergänzung der Kriterien zur Förderung / MEHR

Bekanntmachung der Kriterien zur Förderung / MEHR

04.11.2010

Sexualität und Sehnsucht: Kunst aus psychiatrischem Kontext von 1900 bis heute im Dortmunder MKK

Künstler: Matthias Maaß, Heidelberg

Künstler: Matthias Maaß, Heidelberg

Beim TWINS-Projekt "InnenWeltenAußenWelten. Sexualität und Sehnsucht" ist in der Ausstellungshalle im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte vom 6. November 2010 bis zum 30. Januar 2011 Kunst aus psychiatrischem Kontext von 1900 bis heute zu sehen. Insgesamt werden in der Schau rund 170 Werke ausgestellt, viele von ihnen sind erstmals öffentlich zu sehen.

Der Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn nahm Anfang der 1920er Jahre in einer Studie als erster eine wissenschaftliche Auswertung der künstlerischen Arbeiten von Psychiatriepatienten vor. Er erkannte ihren Wert und ihren Einfluss auf die moderne Kunst. Die Ausstellung zeigt moderne Arbeiten der heute noch existierenden Sammlung Prinzhorn (Heidelberg) mit älteren Werken aus der Sammlung Morgenthaler (Bern/Schweiz) sowie aktuelle Outsider Art aus dem Dortmunder Projekt Art-Transmitter.

Sexualität ist ein bisher in der Darstellung der Kunst von Patienten psychiatrischer Einrichtungen noch fast unbehandeltes Thema. Die Ausstellung  bricht mit diesem Tabu. Die Bilder sind nicht nur ein Spiegel von  Begehrlichkeiten, sondern reflektieren darüber hinaus die sich im Laufe der Zeit ändernden gesellschaftlichen Einstellungen zur Sexualität.
Um 1900 war Sexualität in den damaligen Anstalten stark tabuisiert. Die Abteilungen waren strikt nach Frauen und Männern getrennt. Geschlechtsverkehr wurde praktisch gar nicht praktiziert. Sehnsüchte und Verlangen wurden häufig unterdrückt und teilweise künstlerisch verarbeitet. Es ist auffällig, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Frauen in ihren Werken stärker romantische Sehnsüchte ausdrücken. So zeigen ihre Bilder - wie beispielsweise bei Rosa Marie Marbach - den idealisierten Angebeteten, Hochzeitspaare und ähnliche Motive. DieDarstellungen von Männern dagegen sind konkreter. Sie stellen Begehren und Lustobjekte klar dar. Beispiele sind die Darstellungen von Prostituierten bei Hans Fahrni oder die züchtige, jedoch entkleidete Hausfrau, die sich lasziv auf dem Sofa räkelt oder nackt mit dem Billardstock spielt, wie bei Oskar Büttikofer. Auch konkrete sexuelle Handlungen werden gezeigt, wie bei Leon Alphonse Kropf.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts ändern sich die Darstellungen hin zu recht realen Szenen, die auch Themen wie Masturbation oder sexuelle Übergriffe nicht ausschließen. Frauen scheinen sich ihrer Rolle bewusster zu werden und setzen sich auch künstlerisch mit "unbequemen" Themen auseinander.

Die Ausstellung ist ein TWINS-Projekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Sie wird gefördert von der RUHR.2010 GmbH, der Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und dem Trägerverein Art-Transmitter, der die Schau organisiert. Kooperationspartner sind die Sammlung Morgenthaler im Psychiatriemuseum Bern/Schweiz, die Sammlung Prinzhorn, Heidelberg, und das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Die Eröffnung der Schau findet am Freitag, 5. November, um 19 Uhr statt. Es sprechen Wolfgang E. Weick (Museum für Kunst und Kulturgeschichte), Liane Wendt (Sammlung Prinzhorn) und Dr. Andreas Altorfer (Sammlung Morgenthaler).
Im Begleitprogramm widmen sich drei Konzerte zum Thema "Liebe und Sehnsucht" dem Verhältnis von Genie und Wahnsinn bei so bekannten Musikern wie Robert Schumann und Gustav Mahler. Sie finden am 22. November 2010 und am 17. und 31. Januar 2011 jeweils um 19 Uhr im MKK statt. Darüber hinaus werden an einigen Sonntagnachmittagen (7. und 21. November, 5. und 19. Dezember) öffentliche Führungen angeboten.

Öffnungszeiten des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, Dortmund: Di, Mi, Fr, So von 10 bis 17 Uhr, Do von 10 bis 20 Uhr, Sa von 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Samstags ist der Eintritt frei.

Weiterführende Informationen:

Das gemeinnützige Projekt Art-Transmitter wird von der Europäischen Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in der Psychiatrie e.V. getragen. Ziel des Vereins ist die Unterstützung künstlerisch tätiger psychisch beeinträchtigter Menschen und das Eintreten gegen ihre Stigmatisierung in der Öffentlichkeit. Zugleich will Art-Transmitter die in Deutschland bisher nur wenig beachtete Outsider Kunst fördern und die Aufmerksamkeit auf ihre künstlerischen Qualitäten lenken.

Die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg umfasst etwa 5.000 Werke von über 400 Künstlern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sie entstanden zwischen 1845 und 1930. Die Kunstwerke reichen von Zeichnungen, Malerei und Stickerei über Skulptur bis hin zu Kompositionen und Schriftwerken. Damit umfasst die Sammlung einen weltweit einmaligen Corpus. Seit Mitte der 1980er Jahre wächst die Sammlung wieder; die Annexe belaufen sich inzwischen auf etwa 17.000 Werke. In der Ausstellung "Sexualität und Sehnsucht" werden Arbeiten aus der neueren Sammlung gezeigt.

Die Sammlung Morgenthaler aus Bern verfügt über rund 5.000 Zeichnungen und Textblätter sowie etwa 500 Objekte. Die meisten Werke stammen aus der Zeit von 1912 bis 1930. Initiator war der Schweizer Psychiater Walter Morgenthaler. Aus finanziellen Gründen ist die Sammlung noch nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitet und birgt noch viele Schätze. Bekanntester Künstler ist Adolf Wölfli. In der Ausstellung "Sexualität und Sehnsucht" sind vor allem Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert zu sehen.

Weitere Informationen finden Sie auf der TWINS-Projektwebsite.

Redaktionshinweise:
Weitere Presseinformationen und Fotomaterial gibt es unter: www.innenwelten-aussenwelten.de.

Darüber hinaus erhalten Sie weitere Info in der Pressestelle der Stadt Dortmund und bei: Agentur für Recherche und Text A.R.T, Köln, Peter Hanemann und Wolfgang Hippe, Telefon (0221) 54 50 48, E-Mail info@art-recherche.de, sowie Projekt Art-Transmitter, Dortmund, Liberto Balaguer, Telefon (0231) 39 98 04 93, E-Mail info@art-transmitter.de.

Jede Vision braucht Menschen, die an sie glauben. Die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 dankt ihren Hauptsponsoren:
Deutsche Bahn AG, E.ON Ruhrgas AG, HANIEL, RWE AG, Sparkassen-Finanzgruppe

Pressekontakt:
Stadt Dortmund
Dagmar Papajewski
Telefon: +49 (0)231 50-24356
Fax:     +49 (0)231 50-22167
E-Mail:  dpapajewski@stadtdo.de

RUHR.2010 GmbH
Marc Oliver Hänig
Telefon:  +49 (0)201 888 2099
Mobil:    +49 (0)170 915 7891
E-Mail:    marc.oliver.haenig@ruhr2010.de