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Ritter Rost

Ritter Rost / Zeichnung: Jörg Hilbert

Ritter Rost erklärt die Kulturhauptstadt. / MEHR

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Label: "Hier wird neue Energie gefördert. Sie heißt Kultur."

Buch drei

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Theater wagen

Doris Salcedo: Shibboleth, Tate Modern Gallery, London / Foto: REUTERS/Luke Mc GregorDoris Salcedo: Shibboleth, Tate Modern Gallery, London / Foto: REUTERS/Luke Mc Gregor

Doris Salcedo: Shibboleth, Tate Modern Gallery, London / Foto: REUTERS/Luke Mc Gregor

Es war der letzte Sommer eines Jahrzehnts, in dem Pina Bausch starb. Die Folgen der Finanzkrise ließ die Menschen mit Wucht gegen den Fels des guten Glaubens prallen. Und wieder standen die Zeichen auf Abbau statt auf Aufbruch. Diesmal nicht in Bochum (wo Fabrikarbeiter entlassen wurden), sondern in Oberhausen, Wuppertal, Moers und Essen (wo man die Theater auf ein Minimum fahren will). Seither sind die Künstler in Aufruhr und die Städte im Ausnahmezustand. Eine Stadt kann man eben nicht so einfach schließen wie eine Fabrik. Im Januar, inmitten dieser labilen, unwirtlichen Atmosphäre eröffnete die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Das Welterbe Zollverein lag unter einer geschlossenen Schneedecke.

So weiß hatte die Welt das Ruhrgebiet noch nie gesehen. Doch das Publikum - das hat sich in den ersten Monaten des Jahres gezeigt - will vom Bankrott nichts wissen. Es ruft die Revolution aus, stemmt sich gegen den Lauf der Zeit, weil es kapiert hat, dass es noch andere Werte gibt als zu shoppen, bei Tag und bei Nacht. Mag sein, dass die Städte schrumpfen, doch das Publikum schrumpft nicht. Die Theater, Museen, Konzerthäuser - sie sind voll, so voll wie sonst nur die Malls und Multiplexe. Auch das ist eine Art Performance. Die Krise ist ein produktiver Zustand und die Kulturhauptstadt ein Labor für das, was morgen geschieht, irgendwo in Europa.

"Theater wagen"auf 2010LAB.tv

"Theater wagen"auf 2010LAB.tv

"Theater wagen" auf 2010LAB.tv:
Sehen Sie die Projekte aus "Theater wagen" im 2010lab: 2010lab.tv begleitet das Festival Theater der Welt, das vom 30. Juni bis zum 17. Juli die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 zur Bühne für junge Avantgarde und alte Meister der internationalen Szene werden lässt.

 

Außerdem gibt es aktuelle Videos und Berichte über pottfiction, René Polleschs Ruhrtrilogie und die Odyssee Europa.

Schauen Sie rein unter www.2010lab.tv/theater-wagen

Als wir vor drei Jahren mit den Vorbereitungen für das Programm der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 begannen, erlebten wir die nahezu propagandistische Verbreitung des Wortes "Nachhaltigkeit". Ähnlich wie beim Umweltproblem, beim Bankenproblem, beim Kunstmarktproblem wurde auch in der Sphäre der darstellenden Künste auf Expansion, Wettbewerb, Standortegoismus oder Konsum gesetzt. Heute prägt die Heilsvokabel alle kulturstrategischen Diskussionen im Bereich der darstellenden Künste. Doch Theater und Tanz sind Augenblicks- und Verschwendungskünste. Eine nachhaltige Ästhetik, eine nachhaltige Kulturpraxis - was kann das sein?

Die RUHR.2010 hat internationale Künstler und Kuratoren eingeladen, gemeinsam mit den Festivals, Theatern, Produktionshäusern und Akademien der Region innovative Projekte und neue Perspektiven für die darstellenden Künste zu entwickeln. Viele der eingeladenen Künstler nutzen die Formen des Theaters, um sie in Skulptur, Video, Animation, Konzert, Tanz, Happening und Alltag expandieren zu lassen. Ort und Autorenschaft lassen sich nicht mehr traditionell zuordnen. Die Handlungsräume von Künstlern, Kuratoren und Bürgern überlagern sich. Künstlergruppen wie anschlaege.de (pottfiction), Rimini Protokoll (Landsmann Sein) und raumlaborberlin (Odyssee Europa) geben einen Ausblick auf die Möglichkeiten, die entstehen, wenn Zuschauer als soziale Subjekte in den künstlerischen Prozess mit einbezogen werden.

Einen großen Raum schaffen sich die Veränderungen einer Welt, die durch Migration und wandelnde Bindungen geprägt ist, im Programm des Festivals Theater der Welt. Für drei Wochen wird die Kulturhauptstadt Europas zur Bühne für alte Meister und junge Avantgarde der internationalen Szene. Viele unter ihnen leben und arbeiten in Transformationsgesellschaften. Der Wandel ist ein wichtiges Signum ihrer Arbeiten. Ein Festival wie Theater der Welt ist für die gastgebende Stadt eine große Lernmaschine. Es zieht die Stadt mit, steckt sie an mit ihren Unruhebewegungen, macht sie offener und wacher und fordert sie heraus zu einer utopischen Einheit von Kunst und Leben. In den Diskussionen um eine nachhaltige Kulturpraxis sollten wir einfach mehr Vertrauen in die andauernde Kraft flüchtiger Erscheinungen und unruhiger Geister setzen.